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    Wie Schall funktioniert: Warum man am Arbeitsplatz nicht alles hört

    Kommt dir das bekannt vor? Du hörst ein hohes Piepen, aber dein Kollege hört nichts. Oder jemand geht hinter dir vorbei, und du hörst die Person nicht kommen. Dein Gehirn filtert Geräusche ständig. Es blendet unwichtige Hintergrundgeräusche aus, etwa das Brummen eines Kühlschranks. Es registriert keine Geräusche, die ständig vorhanden sind und keine Gefahr darstellen. Und es kann mühelos eine einzelne Stimme in einem vollen, lauten Raum heraushören, während der restliche Lärm in den Hintergrund rückt. Unser Gehirn registriert also nicht jedes Geräusch. Aber warum nicht? In diesem Blog erklären wir, was Schall ist und wie dein Gehirn Geräusche verarbeitet. Kurz zusammengefasst: Dein Gehirn verarbeitet Töne zwischen 25 und 16.000 Hz und filtert den Rest aktiv heraus. Am Arbeitsplatz misst man Lärm daher in dB(A), weil diese Einheit deinem eigenen Empfinden von Geräuschen am nächsten kommt.

    Birgit Brinks

    Wie entsteht Schall?

    Schall ist eine Schwingung, die sich durch ein Medium wie Luft oder Wasser ausbreitet. Wir nennen das eine Schallwelle. Alles, was sich bewegt oder irgendwo dagegenstößt, verursacht eine solche Schwingung. Klatsche zum Beispiel in die Hände. Deine Hände berühren sich und verdichten die Luft. So entsteht eine Schwingung, die sich durch die Luft ausbreitet und bei deinem Ohr ankommt.

    Dein Trommelfell fängt diese Schallwellen auf und beginnt durch die Druckveränderung in der Luft zu schwingen. Die Haarzellen in deiner Schnecke wandeln diese Schwingungen anschließend in elektrische Signale um. Diese Signale werden an dein Gehirn weitergeleitet und in Geräusche umgewandelt. Und das nimmst du als Geräusch wahr.

    Dein Ohr nimmt jede Schwingung wahr. Trotzdem gibt es eine untere und obere Grenze dessen, was du hörst:

    • Unter 25 Hertz (Hz) hörst du meistens nichts, aber die Vibration spürst du oft. Denke an schwere Maschinen oder dröhnende Bässe.
    • Über 16.000 Hz hörst du ebenfalls kaum etwas. Das gilt zum Beispiel für bestimmte hohe Pfeiftöne.

    Dein Körper wandelt also vor allem Schallwellen zwischen 25 und 16.000 Hz in Signale für dein Gehirn um. Der tatsächliche Unterschied bei den Tonhöhen, die wir wahrnehmen, ist von Person zu Person verschieden. Bei EASY Noise Control haben wir während einer Schulung einen Test durchgeführt, bei dem ein 60-jähriger Kollege Tonhöhen bis 12.000 Hz hörte und ein 23-jähriger Kollege Tonhöhen bis 16.000 Hz. Am Arbeitsplatz bedeutet das, dass gefährliche oder wichtige Situationen zwar manchmal Schwingungen verursachen, dein Gehör diese aber nicht immer weiterleitet. Dadurch steigt das Risiko für unsichere Situationen in einer Werkstatt, Industriehalle oder Fabrik.

    Schall messen: Was bedeuten Dezibel, dB(A) und Frequenz?

    Um zu verstehen, warum du nicht alles hörst, sehen wir uns zunächst an, wie wir Schall wahrnehmen und messen. In der Praxis verwenden wir hauptsächlich drei Begriffe:

    1. Dezibel (dB): 
      Dezibel ist die Maßeinheit für den Schallpegel. Die Dezibel-Skala funktioniert logarithmisch: Jeder Anstieg um 10 dB wird als zehnmal so laut empfunden. Ein Schallpegel von 60 dB klingt also zehnmal so laut wie 50 dB.

      Ein anschauliches Beispiel: Ein Geiger erzeugt einen Ton von etwa 440 Hz mit einem Schallpegel von 95 dB. Spielen 100 Geiger gleichzeitig? Dann hörst du nicht 95 dB mal 100, sondern der dB-Pegel steigt auf 115 dB (= log(100) * 10). Der Schallpegel steigt nicht linear mit der Anzahl der Geigen. Das liegt daran, dass Schall logarithmisch funktioniert.
    1. Dezibel mit A-Bewertung (dB(A))
      dB(A) berücksichtigt, wie dein Ohr Schall wahrnimmt. Diese Messmethode korrigiert automatisch, wie sich der Schall für dich anfühlt. Diese Einheit entspricht stärker der menschlichen Wahrnehmung. Daher verwendest du dB(A) standardmäßig im Arbeitsschutz und bei der Arbeitssicherheit. 
    1. Frequenz (Hertz) 
      Hertz ist die Einheit der Frequenz. Sie gibt an, wie viele Schwingungen pro Sekunde stattfinden. Bei 100 Hz schwingt die Luft 100-mal pro Sekunde.

    Der Unterschied zwischen Hertz und Dezibel in der Praxis

    dB bezieht sich auf die Lautstärke, dB(A) darauf, wie laut etwas wahrgenommen wird, und Hz auf die Tonhöhe. Zwischen diesen Begriffen besteht kein direkter Zusammenhang, aber ein indirekter Zusammenhang zwischen dB(A) und Hz.

    Die Frequenz in Hz beeinflusst nämlich, wie du den Schalldruck in dB wahrnimmst. Zwei Maschinen haben manchmal denselben Schallpegel von 100 dB, aber eine unterschiedliche Frequenz in Hz. Ein Generator und eine Kreissäge erzeugen beide 100 dB, aber der Generator liegt bei 63 Hz und die Kreissäge bei 4000 Hz. Aufgrund dieses Unterschieds in Hz empfindest du die Kreissäge als lauter als den Generator.

    Welche Geräusche hörst du am besten?

    Dein Gehirn nimmt Schwingungen zwischen 25 und 16.000 Hz am besten wahr. Außerdem achten deine Gehirnzellen besonders auf Geräusche im Sprachfrequenzbereich: Zwischen 110 Hz und 8000 Hz sind sie besonders aufmerksam. 

    Stimmfrequenzen in Hertz:

    • Frauenstimme: 200 Hz - 900 Hz
    • Männerstimme: 110 Hz - 440 Hz

    Klänge in Hz:

    • Vokale (Buchstaben: a, e, i, o, u): 250 Hz bis 2000 Hz
    • Stimmhafte Konsonanten (Buchstaben: b, d, v, z, g, m, n, ng, l, r, j, w): 250 Hz bis 4000
    • Stimmlose Konsonanten (Buchstaben: p, t, k, f, s, e): 2000 Hz bis 8000 Hz. 

    Dein Gehör ist also auf das Verstehen von Sprache eingestellt. In einer lauten Arbeitsumgebung versteht ihr einander weniger leicht. 

    Warum verwendet man dB(A) im Arbeitsschutz?

    Im Arbeitsschutz verwenden wir dB(A), weil dieser Wert der menschlichen Geräuschwahrnehmung entspricht. Das Ohr ist für tiefe Töne weniger empfindlich. Die mit dB(A) verbundene A-Bewertung korrigiert die Empfindlichkeit des Ohrs und vermittelt dadurch ein realistischeres Bild davon, was du hörst und wie belastend das Geräusch ist. 

    Was machst du am Arbeitsplatz?

    Dein Gehör nimmt nicht alles wahr. Du hörst nur einen bestimmten Frequenzbereich und nimmst Schall nicht linear wahr. Deshalb messen wir Schall in dB(A), und es ist wichtig, am Arbeitsplatz auf Lärm zu achten – für deine Sicherheit und Gesundheit. Mit diesen Schritten arbeitest du sicherer:

    • Miss den Schallpegel in dB(A): so bekommst du ein realistisches Bild davon, wie stark dein Gehör belastet wird.
    • Trage rechtzeitig Gehörschutz: greife ab 80 dB(A) zu Ohrstöpseln oder Kapselgehörschutz. Das Arboportaal nennt diesen Pegel als den Punkt, ab dem dein Arbeitgeber verpflichtet ist, Gehörschutz bereitzustellen. Ab 85 dB(A) musst du diesen Gehörschutz auch verpflichtend tragen.
    • Achte auf die Kommunikation untereinander: stelle sicher, dass Kolleginnen und Kollegen einander gut verstehen, besonders in lauten Umgebungen.
    • Begrenze deine Exposition: wechsle die Aufgaben ab oder arbeite kürzer in lauten Bereichen.
    • Mach Signale sichtbar: verwende visuelle Signale wie Lampen, wenn Geräusche nicht gut hörbar sind.

    Gehen Sie bewusst mit Lärm um. So schützen Sie Ihr Gehör und sorgen für einen sichereren Arbeitsplatz. Aber woher wissen Sie, ob der Lärmpegel bei Ihnen bereits ein Risiko darstellt? Fordern Sie eine kostenlose Lärmmessung vor Ort an. Unsere Akustikberater messen den Lärm in Ihrer Fabrik, Industriehalle oder Werkstatt und zeigen Ihnen direkt, wie Sie die Akustik verbessern und die Arbeitsschutzvorschriften einhalten können.

    FAQ

    Ab welchem dB(A)-Pegel muss ich am Arbeitsplatz Maßnahmen ergreifen?

    Misst du Schallpegel ab 80 dB(A), muss dein Arbeitgeber verpflichtend Gehörschutz bereitstellen. Ab 85 dB(A) musst du diesen auch verpflichtend tragen. Bist du dir über den Schallpegel an deinem Arbeitsplatz unsicher? Eine professionelle Schallmessung sorgt innerhalb eines Tages für Klarheit und verhindert, dass du einen Gehörschaden erst entdeckst, wenn es zu spät ist.

    Warum verstehe ich Kolleg:innen manchmal nicht, obwohl der Ton nicht extrem laut ist?

    Sprache liegt hauptsächlich zwischen 110 und 8000 Hz. Maschinen mit einer Frequenz in diesem Bereich übertönen daher Stimmen – auch bei einem gleich hohen oder sogar niedrigeren Gesamtgeräuschpegel. Eine Kreissäge mit 4000 Hz beeinträchtigt die Sprachverständlichkeit daher stärker als ein Generator mit 63 Hz, selbst wenn bei beiden Maschinen derselbe Dezibelwert gemessen wird. Arbeitest du in einem Raum mit vielen harten Oberflächen, verstärkt das diesen Effekt: Der Schall wird zurückgeworfen und überlagert sich mit den Stimmen. Akustische Lösungen wie Absorberplatten senken gezielt diese störenden Frequenzen, ohne dass du die Maschine selbst anpassen musst.

    Ist ein durch Lärm am Arbeitsplatz verursachter Hörschaden reversibel?

    Nein, die Exposition gegenüber zu lautem Schall schädigt die Haarzellen in deiner Cochlea dauerhaft. Diese Zellen regenerieren sich nicht von selbst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet eine langfristige Exposition gegenüber mehr als 85 dB(A) als direkte Ursache für einen dauerhaften Hörverlust. Wenn du rechtzeitig einen Gehörschutz trägst, kannst du dieses Risiko vollständig vermeiden. Sobald der Schaden einmal entsteht, bleibt er also für den Rest deines Lebens bestehen.

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